«An Zucker sparen, grundverkehrt! Der Körper braucht ihn, Zucker nährt!»
(Zuckerwerbung aus dem Jahre 1927)

Jahrtausendelang lebte die Menschheit praktisch ohne Zucker. Und heute glaubt jeder, Zucker sei unentbehrlich. Die Zuckerwerbung und auch Wissenschaftler behaupten oft, die Lust auf Süsses sei angeboren und vorprogrammlert. Neugeborene sollen lächeln, wenn man ihnen eine Zuckerlösung anbiete und bei bitteren Tropfen das Gesicht verziehen.

Tatsche ist aber, dass Kinder, die ein paar Mal stark gezuckerte Speisen gekostet haben, ungesüsste Gerichte ablehnen. Das fängt an mit dem gesüssten Tee im Nuggifläschchen und geht bis zur zuckerhaltigen Zwischenmahlzeit. So gerät ihre Ernährung nach und nach zum reinen Zuckerschlecken. Zwar sind heute die Kindertees als «zuckerfrei» angeschrieben. Nur, zuckerfrei heisst nicht, dass im Tee kein Zucker verwendet wurde. Laut dem Lebensmittelgesetz, darf ein Produkt als «ohne Zucker» angeschrieben werden, wenn es lediglich keinen weissen Zucker enthält! Auf den Verpackungen tauchen dann Namen auf wie: Glucose, Fructose, Saccharose, Maltose. Diese Zuckerarten jedoch werden oft in rauhen Mengen den Nahrungsmitteln zugesetzt und der Konsument ahnt nicht, wie viel Zucker er damit konsumiert.

Versteckte Zucker

Viele Eltern wissen gar nicht, in weichen Nahrungsmitteln überall Zucker versteckt ist oder aber sie haben keine Ahnung wie viel davon unter einem anderen Namen in einem Produkt verarbeitet ist. So finden wir Zucker z. B. in Wurstwaren, Fertigsaucen, Beutelsuppen, Fertig-Salatsaucen, Marinaden, Gewürzmischungen aber auch in Ketchup, Fruchtsaftgetränken oft auch in Gemüsesäften. Die Schweiz steht an erster Stelle des Zuckerverbrauchs. Pro Jahr verbrauchen wir 50 kg pro Kopf. Und das meiste davon als versteckte Zucker!

1 Liter Energy-Milch enthält 120 g Zucker
1 Liter Cola: ca. 35 Stück Würfelzucker
100 g Gummibärchen: 17 Würfelzucker
180 g Fruchtjoghurt: 7-8 Würfelzucker

Braucht der Körper überhaupt Zucker?

Oft hört man, Zucker sei Gehirn- und sogar Nervennahrung. Tatsächlich benötigen die Muskel- und Gehirnzellen den Einfachzucker Glukose als Energiequelle.

Die Energie wird aus stärke- und zuckerhaltigen Lebensmitteln gewonnen. Alte Zuckerarten und auch die Stärke, müssen solange im Körper zerlegt werden, bis sie als Glukose zur Verfügung stehen. Für diese Prozesse braucht der Organismus unter anderem Vitamin B1 - Dieses Vitamin wird nicht in grösseren Mengen gespeichert, daher muss es kontinuierlich zugeführt werden. Die meisten stärkehaltigen Nahrungsmittel enthalten dann auch Vitamin B1. Jedoch gerade die viel verwendeten Lebensmittel wie Haushaltzucker (weisser Zucker), Weissmehl oder auch polierter Reis enthalten überhaupt kein Vitamin B1. Wenn jemand viel von diesen Produkten isst, so braucht sein Körper seine Vitamin B1 Vorräte zum Abbau des Zuckers statt sie für die Bildung und Weiterleitung von Nervenreizen zu verwenden. Zudem wird mit dem Genuss von Zucker und Weissmehl auch das Kalzium abgebaut. Zucker als Vitamin- und Kalzium-Räuber!

Ersatz für Zucker

Es gibt Ärzte und Therapeuten welche von jeglichem Zuckergenuss abraten, weil Zucker den Stoffwechsel belastet. Zuviel Zucker führt zur Übersäuerung des Organismus und nicht verbrauchte Zuckermengen werden zu Fett umgebaut und im Körper abgelagert.

Für viele Verbraucher scheint das Weglassen des Zuckers überhaupt kein Problem zu sein. Es gibt ja Zuckerersatzstoffe, diese sind aber eine gefährliche Täuschung des Körpers. Isst man einen künstlichen Süssstoff, so erwartet der Körper Zucker - und wird dann schmählich im Stich gelassen. Seine Bauchspeicheldrüse hat reflexhalber bereits eine Portion Insulin für die Verarbeitung des Zuckers bereitgestellt, die nun nicht gebraucht wird und «arbeitslos» im Blutstrom treibt. Wird dann aber aus der Nahrung kein Zucker nachgeliefert (in diesem Fall künstlicher Süssstoff), so sinkt der Blutzuckerspiegel. Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel ist für den Körper gefährlich. Er signalisiert deshalb Hunger. Gerade viele ADS-Kinder sind oft vor dem Mittagessen extrem schlecht gelaunt, hässig oder verwickeln sich auf dem Schulweg in Streitereien. Dies ist eine natürliche Folge einer Unterzuckerung. Und leider wird dann meistens dieser Hunger mit Zuckersüssem gestillt und der Kreislauf beginnt von Neuem! Hyperaktive reagieren in den meisten Fällen nach Zuckerverzehr mit verstärkten Verhaltensauffälligkeiten.

Es gibt viele Möglichkeiten, den Zucker da und dort zu reduzieren. Muss es dann immer gleich ein Stück Schokolade, ein Biskuit, ein Riegel, gesüsste Fruchtsäfte, Limonade oder gesüsster Tee sein? Es stehen uns doch feine Alternativen zu Verfügung wie z. B. Früchte, Dörrobst, ungezuckerte Fruchtsäfte, mal ein Stück rohes Gemüse. Was sich in Japan bereits seit Jahren eingebürgert hat, dort werden Fertigprodukte mit Stevia gesüsst, sollte auch bei uns vermehrt berücksichtigt werden. Es liegt an uns Konsumenten zu entscheiden, welchen Weg wir unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden zuliebe einschlagen möchten.

Sonja Hutter

AEV Arbeitskreis Ernährung und Verhalten

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