Kranke Hunde laufen wieder

MAGNETFELD / Eine neue Schmerztherapie mit elektromagnetischen Impulsen verschafft Hunden mit Gelenkbeschwerden Besserung. Der Liestaler Tierarzt Gilbert Klaus hat es ausprobiert und ist begeistert.

LIESTAL. Der Liestaler Tierarzt Gilbert Klaus hat einen Versuch gewagt, den - soweit bekannt - bisher noch kein Veterinär durchgeführt hat: Er behandelt seit letztem Herbst Hunde, die Schmerzen im Bewegungsapparat haben, mit elektromagnetischen Wellen. Wie das funktioniert, demonstrierte die Collie-Hündin Sina vor. Widerstandslos ging sie in die so genannte Therapie-Hütte hinein, die wie ein grosses Hundehäuschen aussieht. Dort legte sie sich zu Boden und begann, an einem Stück getrockneter Tierhaut zu knabbern. Währenddessen schloss Klaus die Glastüre, durch die der Hund mit seiner Besitzerin in Kontakt bleibt, und stellte das Therapieprogramm ein.

Der Arzt ist in der Hundehütte fast eingeschlafen

20 Minuten lang soll Sina in der Hütte bleiben und mit hochdosierten elektromagnetischen Impulsen, die von den Seitenwänden her die Hütte gleichmässig durchströmen, behandelt werden. Der Hund höre ein leichtes Geräusch, spüre aber nichts von der Behandlung, mit Ausnahme einer gewissen Müdigkeit. Klaus muss es wissen, denn er hat die Therapie-Hütte selber getestet. Dabei sei er fast eingeschlafen.
Der Tierarzt hat seit letztem Herbst über 20 Hunde mit der neuen Schmerztherapie behandelt. Die meisten litten unter Arthrose, und mit einer Ausnahme führten alle Behandlungen, die in der Regel über zehn Sitzungen à je 20 Minuten gehen, zum Erfolg. Die Hunde würden, wie ihre Besitzer sagen, wieder freudiger laufen. Mehr als die Hälfte von ihnen brauche keine Medikamente mehr. Für die Restlichen habe die Dosierung gesenkt werden können, bilanziert Klaus. Das erstaunlichste Resultat habe sich bei einem elfjährigen Hovawart eingestellt. Der Hund habe seit letztem Frühling den Kopf nicht mehr heben können, jetzt laufe er wieder bergauf und bergab und apportiere sogar Äste.

Hundehalter sind skeptisch, weil die Methode neu ist

Allerdings, so räumt der Tierarzt ein, fehlten die Langzeitbeobachtungen. Dies sei auch der Grund, dass einige Hundehalter skeptisch reagiert hätten, als er ihnen die neue Therapieform vorgeschlagen habe, Doch Klaus ist begeistert davon, nicht zuletzt auch deshalb, weil er Nebenwirkungen ausschliessen könne. Einzig bei bösartigen Tumoren und Schilddrüsen- Überfunktionen könnten elektromagnetische Impulse verschlimmernd wirken

Dass gerade Klaus zum Pionier wurde, hat natürlich eine Vorgeschichte. Einer seiner Kunden arbeitet bei einer deutschen Firma, die Magnetfeldtherapie-Geräte für den Humanbereich herstellt. Dort wird diese Therapieform schon seit längerem angewendet, allerdings mit einer deutlich tieferen Leistungsstärke. Besagte Firma hat aber nun ein Gerät mit hochdosierbaren elektromagnetischen Impulsen entwickelt, das die Energieabgabe im Gewebe bis zu 1000mal vergrössert.

Der Kunde erzählte Klaus von dieser Entwicklung, und bald schon war die Idee geboren, das neue Verfahren auch bei Tieren auszuprobieren. Klaus erhielt darauf versuchsweise die erste elektromagnetische Therapie-Hütte.

Der Veterinär ist inzwischen mit dem Probelauf derart zufrieden, dass er den etwas über 30 000 Franken teuren Prototyp übernehmen will. Für die Kunden schlägt übrigens eine Sitzung mit 30 Franken zu Buche. Weil Klaus experimentierfreudig ist. hat er nicht nur Hunde, sondern auch einen Papagei mit der neuen Therapie behandelt.

Und siehe da, der Vögel, der zuvor einen Teil seiner Federn verloren hatte, bekam wieder neue. Klaus verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass es im Tierreich keinen Placebo-Effekt gebe: Tiere können nicht geheilt werden, indem man ihnen eine wirkungsvolle Therapie verspricht und sie mit Medikamenten ohne Wirkstoffe abspeist.

Andreas Hirsbrunner
BZ Samstag, 8. Februar 2003

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